Multitalent Melatonin: Mehr als nur ein Schlafhormon

Es wird im Gehirn in der Epiphyse gebildet, ist als Molekül unglaublich winzig, spielt aber eine umso größere Rolle im Körper: das Hormon Melatonin. Es gilt als Multitalent unter den Botenstoffen, steuert unsere biologische Uhr und ist einfach unverzichtbar für die Gesundheit.

 

Melatonin bringt Ruhe und Schlaf
Der menschliche Körper unterliegt einem ureigenen Rhythmus, der tief in unseren Genen und unserer Biologie verwurzelt ist. Licht und Dunkelheit wirken dabei wie Signale, die über die Netzhaut des Auges ins Gehirn geleitet werden. Als Reaktion werden dort Hormone aktiviert, welche die körpereigene Uhr bestimmen. So wird, wenn es abends dunkel wird, Melatonin ausgeschüttet. Es durchströmt den Körper und drosselt alle Funktionen, auch geistig und emotional schaltet alles auf Sparflamme. Die Körpertemperatur sinkt, der Körper ist bereit für den erholsamen Schlaf. Mit dem Morgenlicht lässt die Melatoninproduktion nach, Hormone wie Cortisol und Adrenalin machen uns leistungsfähig für den Tag.

 

Aktiv, während wir schlafen
Während der Mensch die Nachtruhe genießt, geht das Melatonin erst richtig an die Arbeit. Indem es Zellen und Organe ruhig stellt, gibt es dem Körper die Möglichkeit, lebenswichtige Reparaturen vorzunehmen. Auch die Alterungsprozesse werden in dieser Zeit ausgebremst. Doch damit nicht genug: Melatonin ist genau wie z. B. Vitamin C und E in der Lage, freie Radikale zu binden und damit eine Ursache von Zellzerstörung zu beseitigen. Als Kleinstmolekül gelangt es dabei sogar in Zellen und Zellzwischenräume, die z. B. vom größeren Vitamin E kaum erreicht werden. Vor allem bestimmte Bereiche des Gehirns und Gefäßwände werden auf diesem Wege vor den freien Radikalen geschützt. Melatonin wird aber nicht nur allein aktiv, es holt sich sozusagen Unterstützung. Denn es stimuliert die Bildung weiterer hilfreicher Enzyme. Daraus ergibt sich ein massiver Anti-Aging-Effekt: Melatonin stärkt unser Immunsystem, senkt den Blutdruck und Cholesterinspiegel und kann damit helfen, Herzerkrankungen vorzubeugen. Medizin und Wissenschaft sehen sogar Ansätze, bestimmten Erkrankungen mit Melatonin zu begegnen, z. B. einigen Formen der kindlichen Epilepsie. Die Wirksamkeit in der Behandlung von Krebs, Demenz, Diabetes oder Unfruchtbarkeit konnte unlängst gezeigt werden.

 

Wenn die innere Uhr verstellt wird
Durchstarten, während es draußen hell ist, runterschalten, wenn es dunkel ist – so einfach lässt sich das Prinzip unserer inneren Uhr zusammenfassen. Doch die Wirklichkeit sieht heute anders aus: der moderne 24-Stunden-Lifestyle, elektromagnetische Wellen (z. B. WLAN, schnurlose Telefone), Interkontinentalflüge, Schichtdienst und auch das Licht von Smartphones, Tablets, Computer und TV greifen in das Wechselspiel der Hormone ein (s. auch: „Erst ausschalten, dann abschalten“ in dieser Ausgabe). Gerade die störanfällige Melatonin-Produktion wird auch durch Stress und Medikamente beeinträchtigt, etwa Kopfschmerztabletten, Antidepressiva, Beta-Blocker und gewisse Schlafmittel. Darunter leidet nicht nur der Schlaf, sondern langfristig auch die Gesundheit. Solche Folgen von Melatoninmangel bekommen breite Bevölkerungsschichten zu spüren. Etwa 35 Prozent der Erwachsenen und sogar bis zu 80 Prozent der über 60-Jährigen leiden unter Schlafstörungen. Diabetes mellitus und das metabolische Syndrom, beides begünstigt durch Melatoninmangel, zählen in der westlichen Welt zu den Zivilisationskrankheiten. Und auch bei Krebspatienten lässt sich immer wieder feststellen, dass die Werte zu niedrig sind.

 

Zurück zur inneren Balance
Wenn Melatonin dem Körper so viel Gutes tut, warum dann nicht einfach welches einnehmen? Diese Frage liegt nahe, und in einigen (Nachbar-)Ländern ist das Hormon als freiverkäufliches Präparat erhältlich. Doch davon sei ausdrücklich abgeraten: Die Einnahme kommt einer Hormonersatztherapie mit Östrogenen oder Testosteron gleich und gehört somit in die Hände erfahrener Ärztinnen und Ärzte. Für ausländische Produkte gelten zudem nicht die deutschen Standards, Präparate weisen häufig Verunreinigungen auf.

 

Vor diesem Hintergrund ist zweierlei nur zu empfehlen.
Erstens: Geben Sie Ihrem Körper die Chance, ausreichend Melatonin zu bilden und von seiner Wirkung zu profitieren, dazu leistet Ihr Lebensstil einen großen Beitrag. Und zweitens: Suchen Sie das ärztliche Gespräch, wenn Sie dennoch unter anhaltenden Schlafstörungen oder sonstigen Beschwerden leiden. So werden die Ursachen und auch mögliche hormonelle Auslöser sicher abgeklärt – und Sie gehen kein unnötiges Risiko auf dem Wege ein, wieder fit und gesund zu werden.

 

Für eine gute Nacht
So unterstützten Sie Ihre innere Uhr und die Wirkung des Melatonins:

 

■  Legen Sie Wert auf ausreichend Schlaf, planen Sie dafür ruhig 6 bis 9 Stunden täglich ein – je nach Typ und Bedarf.
■  Gewöhnen Sie sich möglichst feste Zeiten an, zu denen Sie ins Bett gehen und aufstehen.
■  Sorgen Sie für Dunkelheit und Ruhe im Schlafzimmer.
■  Meiden Sie ab etwa 2 Stunden vor dem Zubettgehen anstrengenden Sport, Alkohol, Nikotin, Medienkonsum (Handy, TV, Computer) und Essen.
■  Machen Sie einen kurzen Spaziergang vor dem Schlafengehen.
■  Reduzieren Sie Ihren Medikamentenkonsum auf das absolut Notwendige.
■  Integrieren Sie Entspannung in Ihren Alltag, z. B. Autogenes Training oder Yoga.
■  Schlafen Sie tagsüber nicht längere Zeit, ein 10-Minuten-Nickerchen ist o.k.

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